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Zur gleichen Zeit, im Himmel …

“Du,… du bist mein Geschöpf.”
“Ach, bin ich?”
“Ja,… Augenblick. Laß mich nachsehen.” Er schlug ein Buch auf und sah nach.
“Also, mal sehen. Ja. Hier steht es doch. Du bist mein Geschöpf. Und Menschlein ist dein Name. Und nun: Knie nieder und huldige mir!”
“Sag mir”, sprach ich gelassen, “warum sollte ich das?”
“Widersprich nicht! Es ist eine Sünde, mir nicht zu gehorchen!”
“Ich habe schon schlimmeres nicht getan.”

Inzwischen, auf einer Theaterbühne im Spessart …

“‘Halt’ kurz das Buch, s’wär’ nett von dir,
die Hände brauch ich für’s Klavier.’
Sprach’s aus, nahm Platz und hob sodann
zu neuen Melodien an.

Behende zückte da das Buch
nun ich, doch lag darauf ein Fluch,
welchen zu brechen nie und nimmer
in meiner Macht lag; doch, noch schlimmer

war die Sache mit den Worten,
die – quer verstreut an aller Orten
und nackt auf unbeschrieb’ner Flur -
mir herzlich wenig sagten nur.

Es war des Meisters graus’ge Wahrheit,
doch mangelt’ es ihm oft an Klarheit.
So schickt’ er Engel, zu bezwingen,
was tausend Jahr wollt’ nicht gelingen.

‘… obschon’s ein lust’ges Feuer ward,
war’n Menschleins Zeiten bitterhart.
Gar bös’ bestraft wurd’ da ein jeder, …’
so las ich da, was seiner Feder

einst entsprang; und voller Reue
betrachtete ich’s nun aufs Neue;
und nicht genug, daß Leid und Elend,
die, grob duch meine Seel’ sich quälend,

von mir Besitz ergriffen – ach,
mein Herz zerbrach mit einem Krach -
zu allem Überfluß kam noch
der Weisheit schwer zu trag’nes Joch,

das, wenn Erkenntnis es durchfährt,
gar heftig an den Sinnen zehrt.
Diese Erkenntnis nun gebar,
daß – wie es scheint, unabwendbar -

daß uns’re, meine, deine Welt
und alles das, was sie enthält,
letztendlich keinem Zwecke dient,
will sagen: sie hat ausgedient.

Auf Messers Schneide stand ich da,
so hilfslos wie am Anfang gar,
versuchte, nicht zu weinen, denn
was ich erlernte, weiß und kenn’,

sagt nichts darüber aus, was ist,
was war und wird; es ist der Zwist,
der allen Dingen innewohnt,
gleichgültig, ob es sich nun lohnt,

zu wähnen, glauben, wissen und
verstehen, daß das Erdenrund
nun einmal nicht, wie’s mancher denkt,
von höh’ren Mächten wird gelenkt.

Es ist der Zwist, durch den wir blüh’n,
in dem wir steh’n und dann verglüh’n,
des Teufels Witz, könnte man sagen,
der, in längst vergang’nen Tagen,

wie im Himmel, so auf Erden,
hundertmal belacht zu werden
wohl gedachte, doch im Grunde
tat er denkbar schlechte Kunde.

Was sich warum wie verhalte,
schonungslose, warme, kalte
Wahrheit fördert’ er zutage
und wurd’ bald Objekt der Klage

vieler Köpfe, die, von Sinnen,
glaubten, zu versteh’n, was innen,
tief im Kern der Sache kauert,
was die These untermauert,

daß zuviel des guten Bösen,
das da kam, uns zu erlösen,
schlußendlich den Kern der Sache
endgültig zunichtemache.”

Währenddessen, im Schwäbischen …

Sie holte einen Granatapfel hervor.
“Würdest du da bitte reinbeißen?”
“Auf keinen Fall!”
“Warum denn nicht?”
“Ich mache mich doch nicht zum Affen.”
“Es ist ein Apfel und keine Banane.” Sie kicherte.
“Du lachst mich schon wieder aus.”
“Och, bitte! Es macht mich …”
“Nein!”

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